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Cécile Wajsbrot - Nevermore

Eine Übersetzerin reist nach dem Tod einer befreundeten Autorin von Paris nach Dresden, um den Klassiker ‚To The Lighthouse’ von Virginia Woolf ins Französische zu übertragen. Wir begleiten die Anläufe in der Arbeit am Text, folgen ihren Gedanken über die Eigenheiten der Sprache, hadern mit ihr und staunen. Mit der Annäherung an die Vergangenheit Dresdens und die lyrischen Motive in ‚To The Lighthouse’ nimmt der Roman Platz im Roman. Angelesene Welten werden zum Bühnenbild und inspirieren die Ich-Erzählerin zu eigenen Reflexionen über Kriegsschauplätze, verwaiste Orte in der Kunst, renaturierte Gegenden und Ghost Places. Sie lenkt aus, bringt uns über Industrieruinen und die Fauna Tschernobyls zu bizarren Phänomenen wie Adoptivkirchen und Glockenfriedhöfen. Und allmählich wird klar, dass sie in dieser literarischen Abgeschiedenheit trauert und nach Erinnerungen sucht. Dass sie wissen muss, was bleibt. Die erzählerischen Elemente verbinden sich und der Roman entfaltet die "betörende Musik", von der der Klappentext sehr richtig spricht.

Ein Roman von tiefer innerer Spannkraft über Sprache und Orte und ihre Verbindung mit unserem Leben und nicht zuletzt über die Bedeutung der Kunst darin.

Die Leistung der Buchpreisträgerin Anne Weber („Annette, ein Heldinnenepos“), einen französischen Text über das Übersetzen so kongenial in die deutsche Sprache zu übertragen, muss hier dringend hervorgehoben werden.

Der Festeinband mit 230 fadengehefteten Seiten in einem sehr schönem Schutzumschlag gehört für mich zu den bemerkenswertesten Neuerscheinungen des Jahres. Nicht die unbeschwerteste Lektüre, aber um Dennis Scheck zu diesem Buch zu zitieren: "Ganz so einfach muss es im Leben nicht immer sein, dafür gibts ja Fußball."

Empfohlen von Jens Fleischer

 

Roman
Einband: gebundenes Buch
EAN: 9783835350694
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Kategorie: Romane