Deutsches Haus

Begonnen habe ich damit, das Buch in der Sendung "Am Morgen vorgelesen" zu hören. Dann war mein Urlaub zu Ende und ich wollte wissen, ob es auch so gut zu lesen wie zu hören ist - und das ist es.

Eva, die Tochter der Wirtsleute Bruhns, Dolmetscherin und der polnischen Sprache mächtig, wird 1962 gebeten Zeugenaussagen im Auschwitz-Prozess ins Deutsche zu übersetzen. Eva, die keinerlei Vorstellungen davon hat, was Auschwitz bedeutet, stimmt nach anfänglichem Zögern und gegen den Widerspruch ihrer Eltern und ihres Verlobten zu. Die Intensität der Zeugenaussagen führt Eva oft an den Rand dessen, was sie ertragen kann. Sie beginnt sich auch mit ihrer eigenen Familiengeschichte auseinanderzusetzen.

Neben der geschichtlichen Aufarbeitung zeigt "Deusches Haus" auch sehr deutlich den Geist der 60er Jahre und die Rolle der Frauen in dieser Zeit.

Ein klarer, gut lesbarer Familienroman, der trotz des nicht immer leicht verdaulichen Themas sehr ausgewogen erzählt.

 

Petra Riggers